ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

 
11.1 Das Ziel

Ziel des Prozesses war, den am besten geeigneten und tatsächlich verfügbaren Standort für das neue Luxemburger Agrarzentrum zu finden. Um die gemeindeübergreifende Standortsuche auch aus Umweltsicht abzusichern, initiierte DE VERBAND im Namen der drei Partner De Verband, LSG und BIOG, eine Strategische Umweltprüfung (SUP). Der vorliegende Abschlußbericht dokumentiert die Ergebnisse.

 

11.2 Die Vorgangsweise

Das SUP-Team setzte sich aus folgenden Organisationen zusammen:
Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, des Ministeriums für nachhaltige Entwicklung, der Gemeinde Mersch, in der Anfangsphase auch der Gemeinden Schieren und Colmar-Berg, das beauftragte Büro Luxplan sowie Vertreter des Verbandes wirkten mit. Alle Organisationen waren gleichberechtigte Teammitglieder und trugen gemeinsam die Verantwortung für das Ergebnis.

Weitere betroffene Organisationen und die öffentlichkeit wurden zur Beteiligung an der SUP eingeladen. Die breite öffentlichkeit wurde mittels Zeitungsannoncen gebeten, Standortvorschläge einzubringen. Eine Feedback-Gruppe, bestehend aus weiteren Verwaltungsdienststellen, Umweltorganisationen, Interessenvertretungen, Vertretern der sieben Gemeinden im Untersuchungsraum, der Bürgerinitiative Busna, der LSG und der BIOGROS, wurde per E-Mail und über die Internetseite www.sup.lu informiert und zwei Mal um Rückmeldung zu Zwischenergebnissen ersucht. Zusätzlich wurde ein ganztägiger Feedbackworkshop abgehalten, um die Zwischenergebnisse zu diskutieren.

 

Zur Beteiligung im SUP-Team bzw. in der Feedback-Gruppe waren eingeladen:
· Ministère de l’Intérieur et de l'Aménagement du Territoire
· Ministère du Développement durable et des Infrastructures
· Ministère de l´Agriculture, de la Viticulture et du Développement rural
· Ministère de la Culture; Sites et Monuments
· Département de l'Aménagement du Territoire
· Direction de la Nature et des Paysages
· Administration de l'Environnement
· Administration de la Gestion de l'Eau
· Administration de la Nature et des Forêts
· Conseil Supérieur de l'Aménagement du Territoire
· Conseil Supérieur de la Nature
· Conseil supérieur pour un développement durable
· Observatoire de l'environnement naturel
· Mouvement écologique
· LNVL - Die Lëtzebuerger Natur-a Vulleschutzliga
· NATURA a.s.b.l.
· MNHN - Musée national d'histoire naturelle
· Sicona
· Syvicol
· Bürgeranwalt
· Landesweite Bürgerinitiativen
· Bürgerinitiative BUSNA
· Gemeinden: Schieren, Nommern, Colmar-Berg, Bissen, Mersch, Lorentzweiler, Lintgen

 

11.3 Der zeitliche Ablauf

23.02.2010 Startmeeting
24.02.2010 1. SUP-Workshop
04.03.2010 – 19.03.2010 Öffentlicher Aufruf zur Nennung von Standortvorschlägen über 4 Tageszeitungen und www.sup.lu
30.03.+31.03.2010 2. SUP-Workshop
08.04.2010 – 22.04.2010 Feedback-Runde mit der Feedback-Gruppe
11.05.+12.05.2010 3. SUP-Workshop
17.06.2010 Feedback-Workshop
08.07.2010 4. SUP-Workshop mit der Empfehlung
 

11.4 Die Abgrenzung von Eignungszonen

Zu Beginn des Prozesses wurden Eignungszonen abgegrenzt, also Gebiete, die prinzipiell für die Errichtung des Luxemburger Agrarzentrums geeignet sind. Dazu wurden Eignungsund Ausschlusskriterien festgelegt. Eignungskriterien, die der Standort jedenfalls erfüllen musste, waren die zentrale Lage im Land, eine gute Verkehrsanbindung und die Mindestflächengröße des Grundstücks von 10ha. Ausschlusskriterien waren Wohnbauflächen inklusive 250m Puffer, ausgewiesene nationale und europäische Schutzgebiete, Waldflächen mit 30m Puffer, Wasserschutzgebiete, natürliche Gewässer, Überschwemmungsgebiete mit 30m Puffer, Waldflächen, Talauenbereiche, Talhänge > 5° (=9%) Gefälle, Ausschluss der Talbereiche zur Freihaltung der Kaltluft-Abflussbahnen und Ausschluss aller Deponieflächen. Die ermittelte Eignungszone lag zwischen Lintgen und Schieren. Innerhalb dieser Zone wurden Standorte für das Luxemburger Agrarzentrum gesucht.  

 

11.5 Die Standortvorschläge

Nach der Abgrenzung der Eignungszonen waren die öffentlichkeit per Zeitungsannonce und die Feedback-Gruppe aufgerufen, innerhalb dieses Gebietes Standorte vorzuschlagen. Zwei Standortvorschläge, die die Eignungskriterien erfüllten und in der Eignungszone lagen,langten aus der Bevölkerung ein (Standort „Am Seif“ und Standort „In den Laengten“). Das SUP-Team schlug einen weiteren Standort vor (Standort „Jauschwis“). Gemäß SUP-Gesetz musste auch der derzeitige Standort im Zentrum von Mersch als Trend-Alternative mit untersucht werden. Damit wurden vier Standort-Alternativen für den Alternativen-Vergleich festgelegt. Da aus Sicht des Naturschutzes und der Verkehrserschließung keine anderen Flächen besser als die vier gefundenen Standortalternativen geeignet waren, wurde der Alternativen-Vergleich auf diese vier Standorte beschränkt.  

 

11.6 Der Alternativenvergleich

Die erheblichen Auswirkungen der vier Standortalternativen auf die 13 SUP-Schutzgüter (Biologische Vielfalt, Flora, Fauna, natürliche Lebensräume, Landschaft, Boden, Wasser, Luft, klimatische Faktoren, Bevölkerung, Gesundheit des Menschen, kulturelles Erbe einschließlich der architektonisch wertvollen Bauten und der archäologischen Schätze sowie Sachwerte) wurden ermittelt, beschrieben und bewertet. Dabei wurden auch Wechselwirkungen berücksichtigt. Zunächst wurden die vier Standortalternativen ohne und danach unter Berücksichtigung von Kompensationmaßnahmen bewertet.  

 

11.7 Der Überblick über die Bewertung

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Legende:
++ sehr positive Auswirkung
+ positive Auswirkung
0 keine erhebliche Auswirkung
- negative Auswirkung
- - sehr negative Auswirkung
 

11.8 Zusammenfassung der besonderen Stärken und Schwächen

Jauschwis

Besondere Stärken
- Schwache Auswirkung auf die Landschaft.
- Lage im Anschluss an bestehende Industrie- und Gewerbeflächen.

Besondere Schwächen
- Stärkste Auswirkung aller Standorte auf geschützte Arten und Lebensräume.
- überbauung der vorhandenen Quellen.
- Die Neuausweisung einer Teilfläche von 9 ha Industriegebiet ist erforderlich.

Am Seif

Besondere Stärken
- Schwache Auswirkungen auf geschützte Lebensräume.
- Entspricht raumplanerischen Zielen.
- Es ist keine Flächenneuausweisung nötig.

Besondere Schwächen
- Flächenverbrauch hochwertiger Böden.
- Exponierte Lage führt zu weiträumiger Sichtbarkeit der Silos.
- Ungünstiger Flächenzuschnitt führt zu Mehraufwand an Verkehrsflächen und erschwert die Eingrünung des Standortes.

In den Laengten

Besondere Stärken
- Keine Auswirkungen auf geschützte Lebensräume und keine unkompensierbaren Auswirkungen auf geschützte Arten.
- Umfassende Eingrünung des Standortes ist möglich.
- Die naturnahe Freiflächengestaltung im Anschluss an den strukturreichen Wald kann die Funktion der Wildbrücke aufwerten.

Besondere Schwächen
- Lage in einem völlig unbebauten Außenbereich (Coupure verte) und die Neuausweisung der benötigten Fläche als Gewerbegebiet ist notwendig.

Mersch Zentrum

Besondere Stärken
- Kein Neuverbrauch von Flächen und Boden.

Besondere Schwächen
- Erhebliche negative Auswirkung auf die städtebauliche Entwicklung.
- Erhebliche Probleme durch die Verkehrsbelastung des Ortszentrums und die Oberflächenentwässerung ohne Rückhaltung in die Alzette.  

 

11.9 Das Ranking

1. „Am Seif“
2. „Jauschwis“ und „In den Laengten“
4. „Mersch Zentrum“

Begründung des Rankings:
Der Unterschied zwischen den Standorten „Jauschwis“ und „In den Laengten“ ist minimal. Der Standort „Jauschwis“ ist bezüglich der Umweltauswirkungen etwas schlechter als der Standort „In den Laengten“. Am Standort „Jauschwis“ müssen einige Auswirkungen kompensiert werden. Allerdings liegt der Standort „In den Laengten“ in einer zone inter-urbaine (Grüngürtel) gemäß Programm Directeur von 2003 (Zersiedlung). Der Grüngürtel ist aber bereits durch einzelne Baumaßnahmen belastet.

Anmerkung zum Ranking:
„Für den Vertreter des Nachhaltigkeitsministeriums ist dieses Ranking als Kompromiss des SUP-Teams mittragbar. Allerdings sieht er einen gewissen Unterschied zwischen dem Standort „In den Laengten“ und dem Standort „Jauschwis“, da der Standort „In den Laengten“ im Grüngürtel gemäß „Programme Directeur“ aus dem Jahr 2003 liegt (Zersiedlungseffekt). Allerdings wurde in den letzten Jahren bereits ein Aussiedlerhof in diesem Grüngürtel vom damaligen Umweltminister genehmigt.“  

 

11.10 Die Verfügbarkeit

Anschliessend wurde die Verfügbarkeit der Standorte geprüft.

Jauschwis
4,15 ha oder 36% der Standortfläche stehen nicht zum Verkauf. Die verbleibende Fläche (7,36 ha) ist zu klein um das Projekt realisieren zu können. Die nach außen angrenzenden Grundstücke stehen ebenfalls nicht zur Verfügung. Daher ist der Standort Jauschwis nicht verfügbar.

Am Seif
Drei Grundstücke (15 Parzellen), die durch Wege (im Eigentum Dritter) voneinander getrennt sind, wurden dem Verband zum Kauf angeboten. Die Grundstücke kosten xx Mio. EUR1. Die Höhe der Grundstückskosten stellt für DE VERBAND eine nicht tragbare wirtschaftliche Belastung dar. Daher ist der Standort Am Seif nicht verfügbar.

In den Laengten
Verfügbar ist eine Grundstücksfläche von 12,1 ha, die sich im Besitz von DE VERBAND befindet. Eine Fläche von 7,1 ha befindet sich im Besitz der Gemeinde Mersch. Der Schöffenrat der Gemeinde Mersch beabsichtigt die Fläche abzutreten. Somit stehen am Standort „in den Laengten“ insgesamt 19,2 ha zur Verfügung.

Mersch Zentrum
Durch die bevorstehende Umnutzung zu einem neuen Wohn- und Dienstleistungsviertel der Stadt Mersch, wird der Standort als Industriegebiet nicht mehr verfügbar sein. Daher ist der Standort Mersch Zentrum nicht verfügbar.  

1: Die Grundstückskosten sind dem SUP-Team bekannt, weden allerdings aus Gründen der Vertraulichkeit nicht veröffentlicht.  

 

11.11 Das Ergebnis

Im 4. und letzten SUP-Workshop hat das SUP-Team diese konsensuale Empfehlung ausgesprochen:
Das SUP-Team stellt fest, dass der Standort „Am Seif“ an 1. Stelle im Ranking liegt, aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht verfügbar ist. Der Standort „Jauschwis“ ist nicht verfügbar, da über ein Drittel der benötigten Fläche nicht zum Verkauf steht. Der Standort „Mersch Zentrum“ liegt im Ranking an 4. und letzter Stelle und ist darüber hinaus auch nicht verfügbar. Damit scheiden diese drei Standorte für die Errichtung des neuen Luxemburger Agrarzentrums aus.

Somit stellt das SUP-Team fest, dass der Standort „In den Laengten“ der derzeit einzig verfügbare Standort ist. Dieser Standort liegt im Ranking an 2. Stelle (gemeinsam mit dem Standort Jauschwis).

Um möglicherweise in der Umgebung des Standortes vorkommende geschützte Arten durch das neue Luxemburger Agrarzentrum nicht erheblich zu beeinträchtigen, soll DE VERBAND im Zuge der Detailplanung vertiefte Untersuchungen durchführen und danach die erforderlichen Kompensations-maßnahmen treffen. DE VERBAND soll auch Vorsorge treffen, dass die Flächen für die erforderlichen Kompensationsmaßnahmen gesichert werden.

Der SUP-Abschlussbericht soll der Commission d’Amenagement im Rahmen der Prozedur zur Flächenumwidmung zur Information vorgelegt werden. Außerdem soll er im Sinne der entwickelten Kultur der Transparenz und Zusammenarbeit auch den interessierten Behörden und Organisationen übermittelt werden.

Weitere Schritte
Die Standortgemeinde Mersch entscheidet gemeinsam mit DE VERBAND über den Standort des neuen Luxemburger Agrarzentrums. In der zweiten Phase, die nicht mehr Teil dieser Dokumentation ist, wird die Federführung bei der Standortgemeinde liegen. Die Gemeinde kann die Initiative zur änderung des Flächenwidmungsplans ergreifen und die Erstellung des SUP-Umweltberichtes beauftragen.  

Das Monitoring
Das SUP-Team hat das Monitoring definiert, das die Realisierung des Projektes begleiten wird. Die Federführung liegt dabei bei der Verwaltung.